Studie I Kieler Straße – Süd, Eckernförde
Ziel dieser Studie ist es, durch eine schematische Herangehensweise wesentliche städtebauliche Kriterien zum Umgang mit vorhandenen, gemischten Stadtstrukturen zu entwickeln, als Leitfaden für spätere Festsetzungen in Bebauungsplänen.
Städtebauliche Kriterien
Zur Ermittlung der individuellen städtebaulichen Kriterien werden folgende Punkte untersucht:
- Die städtebauliche Struktur, im Lageplan. Fragestellungen: Handelt es sich um eine offene oder geschlossene Bauweise, wo sind Baulinien, werden diese aufgenommen entstehen dadurch Platzsituationen bzw. wo sind definierte Innenblockbereiche sinnvoll?
- Die städtebaulichen Gestaltungselemente, anhand von Straßenansichten. Fragestellungen: Wo liegt die durchschnittliche Traufhöhe bzw. Gebäudehöhe, welche Traufhöhe ist für den jeweiligen Straßenzug passend, wo ergeben sich dadurch Hochpunkte die für das Stadtbild sinnvoll sind? Welche Materialität weisen die Gebäude auf, welche überwiegen bzw. sind besonders prägend? Gibt es weitere städtebauliche Gestaltungselemente wie z.B. Gauben, Hochparterre, Schaufensterfronten o.ä. die mitbetrachtet werden sollten.
Geltungsbereich
Gerichtstraße – Kieler Straße – Bahnhofstraße – Reeperbahn
Städtebauliche Struktur
Der Bereich zwischen Gerichtstraße, Kieler Straße, Bahnhofstraße und Reeperbahn besteht vorwiegend aus einzelnen großen Gebäuden (offene Baustruktur). Durch die zurückgesetzte denkmalgeschützte „alte Bauschule“ entsteht eine dreiseitig umschlossene Platzsituation.
Die Bahnhofstraße ist lückenhaft bebaut. Hier besteht Potential zur Schließung der bisher nur locker bestehenden Blockrandbebauung.
Ebenso an der Ecke Reeperbahn / Gerichtstraße könnte durch Schließung der Ecksituation eine gefasste Gebäudekante entstehen die die Eingangssituation in die Gerichtstraße fassen sowie die Straßenansicht der Reeperbahn vervollständigen könnte. Neben dem Platz vor der „alten Bauschule“ sind im Planbild links zwei gelb dargestellten Innenblockbereiche zu sehen, die den Baublock in seiner Tiefe gliedern und zur Besonnung öffnen.
Die Straßenansicht zur Reeperbahn weist neben einer überwiegenden Zweigeschossigkeit mit ausgebautem Dachgeschoss, bei einer Satteldach Dachform auch teilweise eine dreigeschossige Bebauung auf. Eine durchschnittliche Traufhöhe sollte sich hier an der überwiegenden Zweigeschossigkeit und insbesondere an der Traufhöhe des denkmalgeschützen Gebäudes der „alten Bauschule“ orientieren. Städtebaulich sinnvolle Hochpunkte wie z.B. am Eingang in die Bahnhofstraße (wird zusätzlich durch einen turmartigen Vorbau unterstützt) sind denkbar. Vorstellbar wäre ein weiterer Hochpunkt an der Ecke Gerichtstraße / Reeperbahn, der sich an dem
Gebäude Ecke Reeperbahn / Bahnhofstraße orientieren sollte. Diese Ecksituation wie schon unter „Städtebauliche Strukturen“ beschrieben sollte den Eingang in die Gerichtstraße fassen sowie die Straßenansicht zur Reeperbahn vervollständigen. Eine Unterordnung gegenüber dem denkmalgeschützten Gebäude der „alten Bauschule“ ist entgegen dem bestehenden Bebauungsplan aufgrund der prägnanten Situation nicht unbedingt denkbar. Eine Anpassung würde die Prägnatz der Ecksituation nicht hervorheben. Hier ist ein Solitärbau denkbar, der sich bewusst von seiner Umgebung abhebt (d.h. durch seine Kubatur und Materialität, genauso wie durch einen wie oben beschriebenen angemessenen Hochpunkt in der Straßenansicht). An der Kieler Straße öffnet sich die Gebäudestruktur zu einem Platz vor der „alten Bauschule“. Auch wenn die Kieler Straße als Ganzes betrachtet werden sollte, gliedert sie sich in zwei Bereiche. Den kleinteiligen nördlichen Bereich auf den im Folgenden (5. Geltungsbereich) noch eingegangen wird und den Bereich zwischen Gerichtstraße und Bachstraße. In diesem Bereich ist entgegen dem nördlichen Straßenabschnitt eine durchschnittliche Traufhöhe deutlich höher aufgrund der bestehenden Gebäude sowie der hierdurch deutlicheren Fassung des Platzes anzusetzen. Ursprünglich wiesen die den Platz säumenden Gebäude eine rote Klinkerfassade auf, wünschenswert ist eine Rückkehr zu dieser historisch geprägten Optik.